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Quartierschulhaus-Initative

„Die Stadt Wil baut ein Primarschulhaus auf dem Grundstück Nr. 56 an der Grundstrasse“

 

Begründung

Da die Kinder unsere Zukunft sind, basiert diese Initiative auf dem Grundsatz:

Kinder haben das Recht, zu ihrer eigenen Sicherheit eine Primarschule in ihrem Wohnquartier besuchen zu dürfen. Experimente zur sozialen Durchmischung dürfen nicht auf dem Buckel der Primarschulkinder ausgetragen werden.

 

Ausgangslage
An der Sitzung vom 7. Juli 2011 hat das Stadtparlament das Geschäft „Neubau modulare Quartierprimarschule Nord“ an den Stadtrat zurückgewiesen mit dem Auftrag, eine Vorlage zu unterbreiten, welche den Bedarf an Schulraum mit einer möglichst zentrumsnahen Lösung abdeckt. Stadträtin Marlis Angehrn schlägt darauf vor, künftig alle Primarschulen ins Zentrum zu stellen, um eine 100 prozentige soziale Durchmischung der Kinder zu erreichen. In den frei werdenden Quartierschulen am Rand der Stadt soll die Oberstufe unterrichtet werden.
Der dringende Bedarf an Schulraum für drei Klassen und eine Kindergartenabteilung wurde von niemandem bestritten.

Die seit Jahren äusserst prekäre Schulraumnot im Zentrum von Wil ist den Kindern und der Lehrerschaft nicht mehr länger zumutbar. Umso unverständlicher ist der Entscheid, auf das Quartierschulhaus Nord zu verzichten und im ohnehin schon engen Zentrum von Wil neue Schulräume zu schaffen. Vor rund 20 Jahren haben umsichtige PolitikerInnen das Grundstück Nr. 56 im Norden der Stadt Wil gekauft und für ein zukünftiges Primarschulhaus reserviert.

Für Quartierschulen und gegen zwangsdurchmischte Zentrumsprimarschulen
An unserem Informations- und Diskussionsabend zeigte sich sofort, dass die anwesenden Eltern mit einer zentralisierten Primarschule nicht einverstanden sind. Daran änderten auch die späteren Informationsveranstaltungen von Marlis Angehrn nichts. Dabei wiederholte sie ihr Ziel, mit einer Zentralisierung der Primarschulen eine 100 prozentige soziale Durchmischung zu erreichen, d.h. einen durchschnittlich 50%igen Anteil fremdsprachiger Kinder in allen Primarklassen. Gegen eine solche Zentralisierung und für Quartierschulhäuser sprechen vorallem folgende Punkte:

1. Schulweg als Teil der Persönlichkeitsbildung
Schulpsychologen weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig der Schulweg als „Freiraum“ zwischen Schule und Elternhaus ist. Hier können sich die Kinder unbeaufsichtigt entfalten, müssen aber trotzdem das Ziel – Ankunft in der Schule oder im Elternhaus – immer vor Augen halten. Das bedingt heute aber, dass der Schulweg nicht zu lang und auch nicht gefährlich sein darf. Mit Tempo 30 wird diesem Anliegen innerhalb der Quartiere Rechnung getragen.

2. Für Schulwegsicherheit und gegen Mehrverkehr im Zentrum
Ist der Schulweg zu lang oder voller Gefahren, so sehen sich viele Eltern dazu veranlasst, ihre Kinder mit dem Auto zu transportieren. Damit fehlt diesen Kindern nicht nur die obenerwähnte Schulweg-Erfahrung, sondern das jetzt schon verstopfte Wiler Zentrum würde noch zusätzlich mit Verkehr belastet. Die sonst schon prekäre Situation während der Stosszeiten würde noch verschärft, und zusätzliche Staus wären unumgänglich. Dieser ökologische Leerlauf belastet aber nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nerven der Eltern. Neueste städtebauliche Ueberlegungen befürworten, dass man dort wohnen sollte, wo man auch arbeitet; das gleiche gilt auch für die Schulen, also ein klares Argument für Quartierschulen.

3. Schulbus als Problemlösung? - NEIN
Ein in allen Quartieren umherkurvender Schulbus mindert zwar das Verkehrsproblem, verursacht aber andere Probleme. Der so wichtige Freiraum auf dem Schulweg ist nicht mehr gegeben, denn wie in der Schulbank müssen die Kinder auch im Bus still sitzen und sind unter Beobachtung von Erwachsenen. Abgesehen von den Kosten ist auch der Zeitverlust für die Kinder nicht zu vernachlässigen.

4. Zentrumsprimarschule auch für Bronschhofen?
Ab 2013 ist Bronschhofen ein Teil von Wil, und im Zeichen der Gleichbehandlung müssten damit auch alle Primarschüler von Bronschhofen und Rossrüti ins Zentrum von Wil gefahren werden. Dass dies Unfug wäre, liegt wohl auf der Hand. Es gibt also in der fusionierten Stadt immer noch Quartierschulhäuser, die nicht zwangsdurchmischt werden können.

5. Integration ja, aber nicht auf dem Buckel der Primarschulkinder
Das von Frau Angehrn vorgebrachte Anliegen der Integration oder sozialen Durchmischung zwischen Wil Süd und Wil Nord wird nicht in Frage gestellt. Fragwürdig ist aber der Ansatz, dies auf dem Buckel der Kinder zu tun. Es geht doch nicht an, dass Versäumnisse in der Stadtplanung bei der Schulhauszuweisung korrigiert werden. Dass im Kirchplatzschulhaus lediglich 15 %, im Lindenhofschulhaus jedoch über 75 % der Kinder fremdsprachig sind, ist das Resultat des verfügbaren Wohnraums und der Preisstruktur in einer übermässig wachsenden Kleinstadt. Auch dass Eltern ihren Wohnort an den Schulungsmöglichkeiten ihrer Kinder orientieren, ist legitim. Es braucht also andere Massnahmen für die Integration unserer Mitbewohnerinnen und Mitbewohner aus anderen Kulturen.
Anstatt die Situation für alle Primarschulkinder zu verschlechtern, wünschen wir uns von den Schulbehörden eine Integrationspolitik mit Frühförderprogrammen, welche wirksam und nachhaltig sind. Gezielte Förderung von Familien mit Kindern im Vorkindergartenalter sind äusserst wirksame Massnahmen, um die schlechteren schulischen Startchancen von Kindern aus bildungsfernen Familien mit oder ohne Migrationshintergrund zu mildern, wenn nicht gar auszugleichen.

6. Fifty-Fifty-Durchmischung – was bringt das?
Stadträtin Angehrn schwebt eine durchschnittliche Durchmischung von 50 % Fremdsprachigen in einem zentralen Schulhaus vor. Es sei die Frage erlaubt, wem bringt das etwas? Verbessert sich dadurch die schulische Leistung der Kinder und damit ihre zukünftigen beruflichen Chancen?

Im Bericht einer Projektarbeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft „Soziale Mischung und Quartierentwicklung“ steht unter Bezug auf eine ExWoSt-Studie (Experimenteller Wohnungs- und Städtebau) „Migration/Integration und Stadtteilpolitik“, dass ca. ein Drittel der Schülerzahl ausländischer Herkunft als kritische Grösse gilt. Im darauf folgenden Satz steht: „Mit einem höheren Anteil sinkt das Kompetenzniveau gemäss PISA-Studien aller getesteten Schülerinnen und Schüler, sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund.“ Das 50%-Ziel von Marlis Angehrn bringt also kaum jemandem eine Verbesserung, im Gegenteil, es könnte sogar für alle zu einer Verschlechterung führen. Fazit: ausser Spesen nichts gewesen!

7. Schulstandort ist entscheidend für Wohnattraktivität
Bei der Wohnortwahl von Familien mit Kindern ist die Schulsituation der entscheidende Faktor. Dazu hat die Schulratspräsidentin im St. Galler Tagblatt Online vom 6. Mai 2003 folgendes gesagt: Im Bereich Städeli/ Gruben seien die Schulwege so lang, dass Eltern unter Umständen aus diesem Quartier wegzögen, sobald die Kinder ins schulpflichtige Alter kämen. Städtebaulich seien erst dann Wohnsiedlungen zu erstellen, wenn ebenfalls eine Schule in zumutbarer Nähe geplant ist.

Die Wohnsiedlung ist gebaut und wird noch weiter wachsen, nur das notwendige Schulhaus fehlt noch. Wollen wir, dass die guten Steuerzahlenden im Norden unserer Stadt deswegen die Stadt Wil wieder verlassen?

Der Bau eines Primarschulhauses auf dem Grundstück Nr. 56 an der Grundstrasse ist somit ein entscheidendes Zukunftsprojekt für die fusionierte Stadt Wil.

 

 


Grünliberale Partei
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